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Eine kurze Weile später in Spanien

Kaum 5 Jahre später5.1hab ich wieder mal Zeit und Lust, an diesem, meinem Buch wieder mal zu schreiben. Ich bin etwas älter und auch weiser geworden. Vielleicht kann es sein, dass mein Bäuchlein sich in etwas auffälligerer Weise als früher hervor tut. Inzwischen gab es auch eine Rechtschreibreform, die aber wohl, wie die korrekte Rechtschreibung selbst, spurlos an mir vorüberziehen wird.

Nun ja, ich werde übermorgen eine kurze Autofahrt zum Flughafen machen, um dann für 10 Tage nach Barcelona zu fliegen. Ich muss wohl etwas früher aufbrechen, denn bei meiner letzten Reise nach Barcelona war ich so knapp dran, dass ich sogar Niki Lauda auf der Autobahn überholen musste. Nein, nicht im übertragenen Sinn, sondern buchstäblich. Er fuhr aber auch nur 100 km/h, so war es mir ein leichtes, ihn mit meinem Skoda hinter mir zu lassen. Ich bekam den Lauda Air-Flieger doch noch, in letzter Minute, wie man es sonst nur im Film sieht. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich auch noch nicht ahnen, dass ein liebreizendes Mädel namens Anja (mein Dackel den ich in meiner Kindheit hatte, hiess auch so, deswegen ich sie so gerne Wuffi nennen würde, als Ausdruck der Tatsache dass ich sie so sehr mag. Sie hat auch die gleichen Augen wie mein Ex-Hund. Leider mag sie diesen Namen nicht sehr, ich vermeide ihn daher besser) auch bei der Lauda Air als Kellnerin mitflog. Aber ich glaube dieser Beruf hat im Flieger einen eigenen Namen. Von Anja werden wir wohl noch etwas lesen.

Damals war ich in Spanien, es war ein heisser Sommer, um eine kleine Städtetour zu machen. So bereiste ich nicht nur Barcelona, das ich von früheren Aufenthalten schon genügend kannte, sondern auch Madrid, Toledo, Malaga und Granada. Auch hier verfolgte mich wie üblich eine Terrorwelle mit Bombenanschlägen und Schussattentaten, wie es auch üblich ist wenn ich in London verweile. Nur in New York (ab Seite [*]) gabs bloss einen Flugzeugabsturz, als ich vor einem Jahr einen Abstecher in die ,,Stadt die niemals schläft`` unternahm.

In der spanischen Küstenstadt ist inzwischen auch Gert sesshaft geworden, er hat vor kurzem geheiratet. Obwohl das eher unglaublich klingt. Wer ihn kennt, der weiss das er absolut nicht der Typ zum Heiraten ist.

Wie, der geneigte Leser kennt Gert nicht? Gert ist ein Freund aus meiner Jugend, die ich ja bekannter weise in Kapfenberg verbrachte. Ich war 2 Jahre älter, aber überproportinal klüger und gebildeter als er. Sollten Sie einmal Gert treffen wird er sich nicht zurückhalten, ihnen Anekdoten aus meinem Leben zu erzählen. Ich warne Sie, sie sind meistens nicht wahr, es steckt eventuell nur ein kleines Fünckchen Wahrheit in seinen Erzählungen. Meist endet die Wahrheit schon nach dem ersten Satz. Trotzdem lässt Gert es sich nicht nehmen, bei jedem gemütlichen Zusammensein Geschichten zu erzählen, nicht ohne sie fantasievoll auszuschmücken.

Eine Geschichte erzählte er mir, die sich vor Jahren zugetragen hätte. Angeblich. Ich kann mich daran kaum noch erinnern: Also, ich war einmal nach Weihnachten bei Gert zu Besuch, und seine Mutter wollte den Christbaum entsorgen. Am einfachsten ginge es wenn Sie den Baum aus dem achten Stock werfen würden, und wenn ich gehe, soll ich ihn von der Wiese aufklauben und in den Mülleimer werfen. Gesagt, getan, und als ich unten auf der Wiese war, habe ich den Baum auch gleich entdeckt, worüber ich froh war, denn es war schon stockdunkel. Er steckte kerzengerade mit der Spitze nach oben in der Wiese. Als ich ihn rauszog, musste ich doch eine erhebliche Kraft dafür aufwenden, schliesslich bekam ich ihn aus der Erde heraus und entsorgte ihn in den Mülleimer. Ich wunderte mich noch, dass er noch so frisch aussah und auch noch gut roch, aber egal.

Am nächste Tag fragte mich Gert, warum ich den Baum nicht weggeworfen habe, er liege ja noch unten. Ich entgegnete, daß dies nicht möglich sei. Wir sahen dann beim Balkon herunter, und tatsächlich lag ein schäbiger, verdorrter Baum auf der Wiese. Unweit davon war jedoch ein kleines, frisches Loch in der Wiese auszumachen. Und Gert fragte, wo denn der Baum sei, der erst vor kurzem dort angepflanzt wurde.

Aber nun zurück zu Gert selbst. Nunja, er nahm auch nicht die nächstbeste, auch seine Spanierin ist es nicht geworden. Nun, es wurde eine liebreizende Frau aus dem fernen China namens Zheng5.2. Da natürlich Sprachschwierigkeiten meinerseits vorprogrammiert waren, hab ich vor der letzten Reise natürlich nichts unversucht gelassen, mir in einem Schnellkurs Spanisch beizubringen. Obwohl in diesem Kurs davon gesprochen wurde, dass man nach nur 3 Monaten schon etwas spanisch sprechen könnte, so hoffte ich doch, dass mir die 2 Wochen reichen sollten. Dies hat sich allerdings in der Praxis als ganz leicht zu optimistisch erwiesen, so dass ich mich mit Zheng doch eher auf Englisch als auf Spanisch unterhalten musste. Aber wie ich neuerdings hörte, hat das Mädel aus dem Land der Mitte doch sehr viel Deutsch gelernt, so das ich mir wegen meiner Sprachkenntnisse nicht mehr den Kopf zerbrechen muss.

Was war eigentlich bei der letzten Spanienreise im Sommer 2000 passiert? Das war das Jahr, in dem ich mich entschloss, mich ernsthafter dem Golfspiel zu widmen, als es im Jahr davor der Fall war. In diesem Jahr, das ich beruflich in Deutschland verbrachte, war ich genau Null mal am Golfplatz. Eindeutig die Prioritäten falsch gesetzt. Dafür fand ich die Zeit und das Geld um einmal New York (auf Seite [*]) und Hawaii (auf Seite [*]) zu besuchen. Doch dazu vielleicht ein andermal mehr.

Der zweiwöchige Aufenthalt in Spanien sollte dazu dienen, etwas Zeit mit Gert zu verbringen, um über alte Zeiten und das Leben allgemein zu tratschen. Die ursprünglich geplante Motivation, golfend Spanien zu durchreisen, wurde durch den Umstand der drückenden Hitze fallen gelassen, und stattdessen fand die Badehose den Weg ins Reisegepäck.

Da ich jedoch immer unterwegs war, sahen wir uns fast nie, und ich zog so von Stadt zu Stadt. Aber zuerst flogen wir drei übers Wochenende nach Madrid, d.h. genau genommen flog ich mit Zheng alleine dort hin, Gert kam direkt aus Amsterdam nach. Wir erkundeten Madrid, vor allem die hiesigen Speiselokale, worüber sich mein Bäuchlein natürlich am meisten freute. Am Sonntag Abend trennten wir uns, da die beiden nach Barcelona zurück mussten. Ich entschloss mich einen Ausflug nach Toledo zu machen, das nicht weit von Madrid entfernt liegt. Wenn man einmal den richtigen Bahnsteig gefunden hat, ist man in einer Stunde dort. Dorthin ist ein recht moderner Zug unterwegs, der aber über einen Teil der Strecke über ein abenteuerliches Gleisbett rumpelte, dass sogar mir Angst und bang wurde. Nicht das ich mich um mein Leben direkt sorgte, aber die Bewegungen meiner ,,Bauch Muskulatur`` gaben mir Grund zur Sorge, ob dieses ständige hin und her schwappeln wohl gesund wäre. Ich beschäftigte mich dann noch gedanklich mit zwei Amerikanerinnen die per Interrail unterwegs waren. Meine Vorurteile wurden bestätigt.

Als ich dann in Toledo ankam, wurde mir erst bewusst, dass ich so ohne Begleitung und mit meinen spärlichen Spanischkenntnissen etwas hilflos war. Naja, nach einem ,,donde esta Innenstadt`` kam ich mit dem Bus in das Zentrum Toledos. Auch die Hotelsuche war nicht allzu schwierig, und das Zimmer war nicht allzu teuer, aber wunderschön, es war im maurischen Stil eingerichtet, ungefähr wie man sich bei uns ein mittelalterliches Zimmer vorstellt, nur viel wärmer, dem Klima entsprechend. Von dem Raum ging eine gemütliche Ausstrahlung aus, wie ich sie von einem Hotelzimmer einfach noch nicht kannte. Natürlich gab es auch Satellitenfernsehen, sonst hätte ich auch weh geklagt. Da die Gassen recht eng waren, war auch die Fenster auf der gegenüber liegenden Strassenseite zum Greifen nahe. Das erzeugte ein Gefühl von Gesellschaft, wenn man die Sprache könnte, wäre auch eine Unterhaltung mit dem Nachbarn interessant. Echt cool.

Da ich meinen Orientierungssinn kannte, speicherte ich die Hotel-Position in meinem tragbaren Satellitennavigationssystem ab. Dann begab ich mich auf den Weg um ein mir wohlschmeckendes Abendessen einzunehmen. Wie der geneigte Leser vielleicht weiss, bin ich bei der Nahrungsaufnahme recht heikel, und was ich nicht kenne, ess ich generell nicht. In Barcelona entdeckte ich trotzdem dank meines wachsamen Auges eine wohlschmeckende Delikatesse, und zwar winzige Fischchen als Filets eingelegt in Essig und Olivenöl. Ich glaub diese Speise heisst Boquerone natural und sie versteht es meinen Gaumen immer wieder zu faszinieren. Solange man sie mir in ausreichender Menge serviert. Es gibt auch Boquerone frittas, das sind die kleinen Fischchen im Ganzen heraus gebacken. Wie ich aber erfahren musste, schien es meine über alles geliebten Boquerone natural nur in Städten, die am Meer liegen, an jeder Ecke zu geben. Das war in Toledo nicht wirklich der Fall.

Also erwählte ich eine Paella als meine ausgewählte Speise und ging dort hin, wo das netteste Paella Plakat hing. Kinder zuhause! Tut das nicht! Denn das war so ziemlich die lustloseste Paella die ich gegessen habe. Sogar meine selbst gemachten Paellas sind schmackhafter. Dieser betrügerische Lump von Wirt hatte es gewagt mir eine Fertigtiefkühlpaella zu servieren. Er hat mir keine nach allen Regeln der Kochkunst frisch zubereitete Paella zubereitet, sondern nur eine Chemie-Bombe in der Mikrowelle heiss gemacht.

Beim darauf folgenden Spaziergang in der mittelalterlichen Altstadt traf ich auch die 2 Amerikanerinnen vom Zug, die mich zwar freundlich grüssten, jedoch keinen Versuch machten, mich irgendwie aufzureissen. So schlenderte ich weiterhin durch die Stadt, ich war fasziniert von den engen Gassen, Häusern und den kleinen Läden, die meistens lokales Kunsthandwerk anboten. Dazu zählten eine Unmenge von Schwertern, Messern, Ritterrüstungen und sonstigen Kleinigkeiten. Ich hätte mir ja gerne eine Rüstung mitgenommen, sie hätte in meinem Wohnzimmer sicherlich toll gewirkt. Aber der Gedanke an das Transport Problem lies mich dieses Vorhaben wieder aufgeben.

Am nächsten Tag machte ich eine Besichtigungstour in so einem kleinen Touristenzug, der sich seinen Weg durch die schmalen Gassen bahnte. Die Gassen waren zeitweise so schmal, dass nicht einmal ein Auto durchpassen würde. In diesem Zug hätte ich fast eine wunderbare Eroberung gemacht...wenn ich bloss genug spanisch könnte. Sie war wirklich sehr hübsch und fragte mich nach der Uhrzeit, obwohl alle anderen von der Familie eine Uhr hatten. Ich streifte dann noch durch die Gässchen, und ging auch in eine Kirche die innen um einiges grösser war als aussen. Unglaublich. Ich sah mir die Götzen drinnen an, natürlich musste Gert gerade jetzt anrufen. Handyläuten in der Kirche, das ist ja schon fast peinlich5.3.

Ich blieb dann noch diese Nacht und wollte am nächsten Tag einen Zug nach Malaga nehmen, wo ich unter anderem eine liebe Bekannte besuchen wollte. Also rief ich Gert an und bat ihn, dass er mir eine tolle Zugverbindung von Toledo nach Malaga aus dem Internet raussuchen sollte. Beim Rückruf erzählte er mir, dass er nur ganz schwindlige Umsteigebahnhöfe gefunden hätte, die er alle nicht kannte. Ich erkundigte mich dann beim Hotelportier und er klärte mich dann auf das Toledo eigentlich das Ende der Zugstrecke war und ich möge vertrauensvoll nach Madrid zurückfahren, von dort gingen dann Züge nach Malaga. Nun, gesagt, getan und ich konnte wirklich ein Ticket Madrid -- Malaga ergattern. Der Zug war echt cool, mehr Komfort als in einem Flugzeug, mit Fernsehen, vollverspiegelten Scheiben, der Zug fuhr sicher Tempo 200 und die Reise war recht angenehm. Circa 4 Stunden später war ich in Malaga angekommen, rein ins Taxi und ich war pünktlich beim Haus von Margret angekommen.

Margret war ein sehr liebes, junges Mädchen, intelligent, aber sie nahm sich ein kleines bisschen zu wichtig. Sonst ganz nett und ganz besonders hübsch. Eigentlich eine ausgesprochene Schönheit. Das einzige was wirklich stört, ist dass sie momentan beim Golfen noch ein bisschen besseres Handicap hat als ich. Ich glaube 32 oder 33, während ich noch bei 45 herumkrebse. Momentan noch. Das wird sich aber dieses Jahr noch ziemlich ändern. Wir sahen uns in Malaga nicht oft, da sie tagsüber einen Intensiv-Spanisch Kurs hat und am Abend auch nicht immer Zeit hatte, dazu wurde sie auch krank, Mittelohrentzündung.

In der Zeit die wir zusammen verbrachten war sie eine erstklassige Fremdenführerin, obwohl ich sie zum Gebrauch der spanischen Sprache (die sie inzwischen schon recht gut konnte) erst ermuntern musste. Und sie war recht leicht zu verwöhnen, sie freute sie wirklich über eine Einladung zum Abendessen, während andere sowas wieder als ziemlich selbstverständlich annehmen, auch wenn man sich die Mühe macht und selbst kocht.

Ich hielt mich einige Tage in Malaga auf, war baden, spazieren, habe gefilmt und gefaulenzt. Aber es wäre für mich keine Stadt zu wohnen, was sollte ich hier arbeiten? Es war auch nicht möglich ausländische Zeitungen zu bekommen. Nett, aber rückständig.

Eigentlich wollte ich am Sonntag in Madrid sein, das Corrs-Konzert besuchen, auf anraten einer anderen Freundin - Lisi - machte ich jedoch einen Abstecher nach Granada. Von Malaga aus wollte ich mit den Zug fahren, bekam aber keinen Platz mehr, worauf ich mit dem Bus nach Granada fuhr, wo ich um 17.00 Uhr ankam. Also später Nachmittag, aber als ich aus dem Bus ausstieg, schlug mir eine Hitze ins Gesicht wie ich sie noch nie erlebt hatte. Im Bus hatte es so um die 19 bis 20 Grad, draussen 38 Grad Hitze. Ich lies mir telefonisch von Lisi noch einige Tipps geben, fuhr dann in die Stadt und suchte mir eine Unterkunft. Ich blieb dann nur eine Nacht, sah mir am Abend die Stadt etwas an, und am nächsten Morgen die wunderschöne Festung Alhambra. Dann ging es mit dem Zug nach Madrid, ich musste ja zum Konzert.

Nicht ganz chronologisch sind die nun folgenden Kapitel. Ich war ja auch ein Jahr in Deutschland, genauer in Nürnberg bei einem grossen Linux-Distributor arbeiten. Wie es mir da so mit dem deutschen Volke erging erzählt das nächste Kapitel.


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Fritz Ganter
2001-06-10