next up previous contents
Next: Literatur Up: Fritz, Frosch und Pinguin Previous: Wieder in Barcelona

Katz und Maus

Das ist die Geschichte von Fritz und Anja, die ein Verhältnis wie Katz und Maus haben. Die Anzahl der Beleidigungen und Stichelein die wir uns pro Tag einfallen lassen, reicht locker um eine Kleinstadt ein Jahr lang mit Ärger zu versorgen. Übrigens lieben wir beide Mäuse. Anja hat sie gerne lebend auf ihrer zarten Schulter. Ich habe sie lieber tot und weit weg. Die Maus meine ich.

Montag morgen bei der Arbeit, ,,Guten Morgen Fritzi` erklingt es einmal aus dem Raum, es war die Dani. Aber ich vermisse das zärtliche ,,Guten Morgen, Bauchi, hast schon wieder zugenommen` der Anja, es kommt nicht. Hmm, sie wird sich wohl versteckt haben, dass ist ihre natürliche, reflexartige Reaktion wenn ich in die Firma komme. Aber ich konnte sie auch in der nächsten Viertelstunde nicht finden. Ich machte mir Sorgen, verdammt grosse Sorgen. Also tat ich das einzig Richtige, zog mir den Hut ins Gesicht und griff zum Telefon. Ich wählte die einzige Nummer, die mir in dieser Situation noch helfen kann. Es läutet, mein Atem stockte. ,,Was ist den Fritzilein` hauchte Dani zärtlich in das andere Ende. Ich erkundigte mich besorgt nach Anja. Dani teilte mir mit, dass Anja einen Snowboardunfall hatte und im Krankenstand sei, sie sei aber zu Hause. Ich tat nun das einzig Richtige in meiner Situation und rief Anja am Handy an. Ja, sie lebte noch, war aber beim Telefonieren von Schmerzen geplagt, da sie sich ja instinktiv wegdrehen wollte. Mir blieb nichts anderes als sie mit zärtlichen Worten zu trösten, jedoch nicht ohne sie wegen ihrer Unvorsicht etwas zu schelten.

Da ich diesen Winter mit dem Snowboarden beginnen will und ich mir Anja als Trainerin auserkoren hatte, mache ich mir natürlich Sorgen. Wird sie in ihrer jugendlichen Unbekümmertheit aus mir einen waghalsigen und draufgängerischen Pistenrowdy machen, der keine Gefahr kennt? Ich befürchte es.

Andererseits konnte ich feststellen, dass man bei jedem Snowboardunfall ein Stückchen hübscher wird. Mann, hat die Anja viele Unfälle gehabt!

Eines Tages begab es sich, noch bevor ich mit der Liebreizenden snowboarden war, dass ich mit ihr an einem kalten Winterabend fortging um Billard zu spielen. Wir gingen in einen Spielsalon in diesem Kärtner Dorf und sie erwähnte noch, dass sie fast jeden Tag Billard spielen geht. Aha. Das letzte mal spielte ich vor ca. 5 Jahren und ich war in diesem Spiel nie gut. Zwei Kugeln hintereinander einlochen war mir noch nie möglich. Insgesamt hatte ich in meinem Leben bisher vielleicht 15 mal gespielt. Das wird eine Blamage für mich. Was solls.

Anja spielte wirklich gut, und ich spielte, wie ein Golfer spielen musste. Ich gewann 4 zu 2 gegen sie, worauf sie etwas mürrisch reagierte. Ich tröstete sie noch indem ich ihr sagte, dass ich das erstemal so gut spielte. Am nächsten Tag hatte sie dieses Debakel noch immer nicht verkraftet. Da sah ich das erstemal ihre Selbstsicherheit wanken, indem sie mich fragte, ob ich wohl finde das sie gut Billard spielt. Natürlich spielt sie gut, sie kann ja nichts dafür das Golfspieler gut zielen können sobald sie mit irgendeinem Stecken nach irgendeinem Ball schlagen.

Gestern entschloss ich mich, dank des unterschwelligen Ansporns von Anja täglich zu trainieren, um meinen stählernen Körper unter der Fettschicht hervorzukehren. Natürlich tut mir heute alles weh, ich kenne jedoch keinen Schmerz. Trotzdem sollte ich heute eine Trainingseffizienz erhöhende Pause einlegen.

Vielleicht fragen Sie sich, wie wir den eigentlich aussehen? Sie müssen sich den Unterschied vorstellen. Ich, gut genährt, mit schützenden Bäuchlein, auch wenn ich am Abnehmen bin, so habe ich doch noch so um die 97 Kilogramm. Anja hingegen, das zarte Wesen bekommt knapp 50 Kilo auf die Waage, und das bei einer Größe von 175 Zentimetern. Sie: äußerst hübsch und ich: naja. Ich habe hingegen genug Fettmasse um sie in Muskeln für den Waschbrettbauch umzuwandeln. Sie hat nur hat. Eine hübsche sicherlich (ich hab sie noch nie gesehen), aber keine Chance auf einen Waschbrettbauch. Ich glaube sie beneidet mich heimlich in dieser Sache.

Diese Woche bin ich ziemlich down, und sehr, sehr gereizt. Auch gehe ich Anja furchtbar auf die Nerven, was sie mich auch spüren lässt, worauf ich sie noch mehr nerve. Heute habe ich ihr eine SMS geschickt, in dem ich ihr mitteilte, dass ich nicht mehr mit ihre rede. Ich kann das auch ewig durchziehen, schliesslich bin ich Steinbock und Steinböcke sind stur. Sie wird schon sehen was sie davon hat. Was ist sie eigentlich für ein Sternzeichen? Achja, Steinbock. Mist! Trotzdem ist sie nicht doof und ich bin im Recht. Grrrrr. Inzwischen ist es Freitag, ich habe nachgegeben, worauf sie sich tierisch freute. Wahre Überlegenheit zeigt sich dadurch, dass man auch verlieren kann, wenn es taktisch notwendig ist.

Wussten Sie eigentlich, dass Anja eine Vorgängerin hat? Sie heisst Manuela, wobei ihre E-Mail Adresse aussagekräftiger ist: biest1@blafassel.at, natürlich gebe ich hier nicht die volle Adresse an, aber der erste Teil ist doch sehr bezeichnend. Es ist zwar unglaublich, aber sie ist noch 10 Kilo dünner als Anja. Dafür nicht so zwider, aber genauso gemein. Zumindest zu mir. Zumindest früher.

Da ich sehr stur bin, habe ich mich ein halbes Jahr nicht bei ihr gemeldet. Das kam so: Manuela machte im Sommer ein paar Tage Urlaub in Italien, wo sie des öfteren zu Urlauben pflegte. Diesen Umstand nicht ahnend rief ich sie am Handy an, wobei sie mir gleich zur Begrüssung sagte: ,,Achso, du bist es. Ich bin in Italien, da muss ich ja beim Gespräch dazu zahlen. Das mach ich bei dir sicher nicht. Ja, ich melde mich dann wenn ich vom Urlaub zurück bin` Inzwischen war ein halbes Jahr vergangen, sie meldete sich nicht, und so dachte ich mir, ihr Urlaub müsste ja bald einmal vorbei sein. Ich wollte sicherlich nicht nachgeben und ich habe bestimmt einen triftigen Grund dafür gehabt.

Ich rief sie also an und war gespannt wie sie darauf reagiert. Wird sie gleich auflegen oder mich mit dem ersten Satz beleidigen? Oder wird sie zuerst etwas nachdenken um mir dann den Todesstoss zu versetzen? Aber nein, sie war nett! Ja wirklich: nett. Nett zu mir. Unglaublich, sie war kaum wiederzuerkennen. Vielleicht habe ich mich auch verändert, aber wir vertrugen und verstanden uns von nun an prächtig. Ein Herz und eine Seele. Und dabei ist sie eine ausgesprochen hübsche und elegante Frau und sie redet trotzdem mit mir. Ich verstehe mein Welt nicht mehr.

Seit ich mit Manuela wieder Kontakt habe, relativiert sich nun meine Beziehung zur Anja: Sie ist mir relativ egal. Es liegt bestimmt daran, dass sie nun die Böse ist und Manuela die Gute. Ausserdem raucht Anja zu viel und wird bestimmt bald daran sterben. Dann wäre ich ziemlich angefressen deswegen.

Manuela hingegen lebt recht gesund, dabei meine ich nicht das übertriebene gesund leben, wie es andere praktizieren, die den Kühen das Futter wegzuessen pflegen. Die Kühe haben deswegen zuwenig natürliches Futter und müssen ihre zermalenen, getrockneten Kollegen essen. Deswegen haben bestimmt bald viele Menschen BSE.

Apropos BSE. Vor wenigen Wochen war in Deutschland und Österreich die grosse BSE Hysterie. Und plötzlich informierten uns die Supermärkte welche Wurstsorten plötzlich nur mehr Schweinefleisch enthielten. Unglaublich diese Geschwindigkeit. Kurz darauf kam die Antibiotika-im-Schwein-Hysterie. Jetzt bleibt nur mehr die Putenextrawurst. Ich warte auf den Putenskandal. Aber Manuela is(s)t da vernünftig und ausgewogen. Von jedem ein bisschen, aber von nichts zuviel. Wobei ich da ganz anders bin. Ich esse von allem ausreichend, ich hoffe ja auf die ausgleichende, neutralisierende Wirkung der Gifte. So wie ich früher rauchte und literweise Kaffee trank. Das Eine senkte, das Andere steigerte den Blutdruck.

Der einzige Nachteil der Manuela ist, dass sie (wie eigentlich jede Frau die ich kenne. Komisch) mich kaum zurückruft wenn ich ihr eine Nachricht hinterlasse. Sie ist ja so gestresst, das liebe Wesen. Ich muss es erst erforschen wie man es macht, dass man nicht ignoriert wird.

Apropos ignorieren: Da fällt mir ein, dass sich Anja die Haare neu gefärbt hat. Diesmal dunkelrot oder kastanienbraun oder hellschwarz, was weiss ich wie die Farbe heisst10.1. Als ich sie am Morgen sah, war ich richtig traurig, ich wollte meine alte Anja wieder haben. Aber ich habe mich daran gewöhnt, ich mag sie jetzt wieder ganz toll. Was nicht nur an der neuen Haarfarbe liegt, sondern weil sie wieder zutraulich wie ein Kätzchen ist, nachdem ich ihr zeigte dass ich auch nicht-lästig sein kann.

Inzwischen ist wieder einige Zeit vergangen, in der Anja nichts unversucht lies, um mich zu ärgern. Aber wir haben beide eingesehen, dass wir ohne einander nicht mehr auskommen. Nur gibt sie es noch nicht zu.

Die hübsche Frau hat sich kürzlich ,,nur so zum Spass` zu einem Wettbewerb zur Wahl des schönsten Gesichtes (von Kärtnen oder so) angemeldet und hat es tatsächlich in die Endrunde geschafft. Das sie aber dann gewonnen hat, hat sogar sie überrascht. Sie kann ja soooo hübsch sein wenn sie lächelt.

Auf jeden Fall meinte sie dass ich ab jetzt ihr jeden Tag frische Blumen bringen muss. Ich werds wohl machen müssen, weil sonst spinnt sie wieder. Oder war ich es der wegen jeder Kleinigkeit gleich spinnt? Na egal. Vielleicht kann ich sie ja mit der Zeit von Blumen auf Süßigkeiten umstimmen, dann hab ich auch was davon...

Letzte Fassung: 10. Juni 2001


next up previous contents
Next: Literatur Up: Fritz, Frosch und Pinguin Previous: Wieder in Barcelona
Fritz Ganter
2001-06-10