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Fritzchen in New York

Kurz nach Hawaii war ich auch einen Sprung in New York. Auch recht spontan. Es waren 10 Tage Anfang November, es wollten noch zwei Mädels einige Tage später nachkommen. Also hatte ich die ersten paar Tage Gelegenheit, New York auf eigene Faust zu erforschen. Kinder ich sag euch: es war toll!

Inzwischen hatte ich ja durch meine Hawaii-Erfahrung schon eine gewisse Routine in der amerikanischen Lebensweise. Man kann sagen, ich kam praktisch als Einheimischer nach New York. Ich füllte bei der Einwanderungsbehörde das richtige Formular aus und man gewährte mir wieder die Einreise. Ich kam spät nachts an, bekam am Flughafen auch ein Taxi und lies mich von einem netten Taxifahrer in mein Hotel fahren, nicht ohne das ich ihm von meiner objektiven Meinung überzeugte, dass S*SE-Linux besser als RedH*t wäre.

Im Hotel angekommen musste ich feststellen, dass meine Vorstellung, die ich aus der Internet-Selbstdarstellung des Hotels hatte, nicht ganz auf die tatsächlichen Gegenheiten zutraf. Das Zimmer war gut geheizt, wobei die Heizung nur zwei Stellungen kannte: Aus und Hölle. Also beließ ich den Heizungsregler in letzterer Stellung und regelte die Temperatur durch den Fensterspalt. Man muss sich das Fenster amerikanisch vorstellen, zum Rauf- und Runter schieben. Ich als Europäer fand solche Fenster immer doof, weil sie ja auch recht schwergängig zu verschieben waren. Doch jetzt entdeckte ich den Sinn und Vorteil dieses Fensters. Es war die offizielle Methode zur Wärmeregulierung. Und die Schwergängigkeit diente dazu um schwächliche Einbrecher von ihren verwerflichen Vorhaben abzuhalten. Ich hatte eingedenk der möglichen winterlichen Temperaturen vorsorglich in Nürnberg mir extra einen Pyjama gekauft. Ich kann mich noch erinnern, dass die Verkäuferin auf meinen Wunsch ,,Einen Pyjama bitte, in dem ich eine schlanke Figur mache` einen ziemlich hilflosen Eindruck machte. Immer dieses unterqualifizierte Personal. Und in New York wollte ich dann auch unbedingt im Central Park joggen gehen. Die dazu nötige Bekleidung besorgte ich dann in Nike Town, da macht shoppen noch Spass. Und ich war joggen, ca. 200 Meter weit, dann fand ich einen triftigen Grund, damit aufzuhören.

Wie bereits gesagt, war ich die ersten Tage alleine in New York. Ich meine damit nicht, dass sonst niemand in New York war, das wäre mir doch aufgefallen. Aber ich war ganz auf mich gestellt und so genoss ich den Samstag für meine Erkundingungen vom Big Apple. Mein Hotel war Ecke West End Av./101. Strasse, also recht nahe am Central Park und der Broadway (der eher unauffällige nördliche Teil) war eine Strasse weiter.

Nach meiner ersten Nacht schlief ich recht lange, ging dann in ein Coffee shop zum Frühstück, wobei ich erfreut feststellte, dass dort der Kaffee besser war als alles was ich in Deutschland betrunken hatte. Wahrscheinlich waren nur Unmengen Zucker im Kaffee, und Fritzkenner wissen, dass mich Zucker sofort zufrieden macht. Am Nachmittag begann ich dann mit der Videokamera die Stadt zu erkunden. Ich fuhr mit der Subway bis zur Südspitze Manhattans um dann die Fähre nach Staten Island zu besteigen. Die Überfahrt ist kostenlos. Nicht das mich Staten Island interessiert hätte (die Insel interessiert ja wirklich keinen) aber man hat von der Fähre aus einen herrlichen Blick auf die Skyline von Manhattan. Deswegen wird diese Fähre nicht nur von Pendlern sondern auch von Touristen, die anscheinend diesen Geheimtip auch schon kannten. Da es schon später Nachmittag war, tauchte die Herbstsonne die Wolkenkratzer in ein warmes, rötliches Licht. Wir fuhren an der Freiheitsstatue vorbei, dieser Sichtkontakt war für mich ausreichend, es bestand keine Notwendigkeit diese auch noch zu besteigen.

In Staten Island angekommen suchte ich noch rasch den Weg zur Fähre in Richtung Manhattan, und los gings in die entgegengesetze Richtung. Am Rückweg studierte ich das Flug und Fressverhalten der Seemöwen, da der aufkommende Dunst und das nachlassende Licht kein Filmmotiv mehr hergaben.

Als Abendprogramm besuchte ich die Aussichtsplattform auf dem World Trade Center. Der Ausblick gab doch einiges mehr her als der Grazer Schlossberg. Danach ging es natürlich zum Times Square, dort traf ich einen anderen Steirer, den guten Alten Arnold Schwarzenegger, der von einem Filmplakat herunterblickte. Damals war gerade ,,End of Days`` sein aktueller Film. Ansonsten ist der Times Square am Abend einfach als ,,überwältigend bunt und laut`` zu beschreiben, aber man kann kein Buch drüber verfassen.

Am nächsten Tag, es war ein Sonntag, machte ich mich auf den Weg zum Central Park. Laut Stadtplan waren es ja nur 5 Blöcke bis zum Park. Was ist schon 5? In Graz brauche ich für 5 Querstraßen ca. fünf Minuten, also ein meiner leichteren Übungen. Was ich nicht bedachte war, dass in Manhattan in einem Block soviele Menschen wohnen wie bei uns in einem kleineren Ort. Es dauert dank meiner hohen Gehgeschwindigkeit nur 14 Minuten bis zum Park. Das kann ich mit dem Timecode auf der Videoaufnahme beweisen. Nein, ich habe kein Taxi genommen und bin zwischendurch zum Filmen ausgestiegen. Ich, Fritz, bin ein sportlicher Mensch, der das Marschieren in seinem Golferblut hat.

In Europa trifft man ab und zu an verschiedenen Orten auf ein Schild auf dem sinngemäß steht: ,,Betreten für Kinder nur in Begleitung ihrer Eltern``, das ist ja nichts besonderes. Im Central Park aber sah ich folgendes Schild: ,,No adults except in the company of a child`` (keine Erwachsenen ausser in Begleitung von einem Kind), ausserdem waren auch keine Hunde erlaubt. Das ganze stand am Zaun zu einem Spielplatz im Park. Finde ich ungewöhnlich aber nett.

Der Park selbst ist am Sonntag ein Erlebnis für sich. Ich möchte schon alleine deswegen in Manhatten inmitten dieser Hektik leben, damit ich mich am Sonntag im Park entspannen kann. Obwohl Unmengen von Menschen in diesem Park verteilt sind, ist es doch ein Ort der Ruhe. Es war natürlich strahlend blaues Herbstwetter und die Menschen sprachen Englisch. Bei einem Brunnen lies ich mich von von einem asiatischen Maseur verwöhnen, ein Wohltat um 10 Dollar, aber illegal, deswegen wurde er später auch verhaftet. Ich hatte mich schon gewundert, warum die Maseure die gerade keinen Kunden hatten immer so aufmerksam die Gegend beobachteten. Als dann ein Wagen der Parkrangers auftauchte, hatte die Asiaten in wenigen Sekunden ihre Maseurstühle abgebaut und waren verschwunden. Doch später kamen 2 Parkranger von der anderen Seite zu Fuß und erwischten einen Maseur bei der Arbeit.

In einem anderen Teil des Central Parkes gab es einen Platz an dem die Inline-Skater in Scharen ihre Kreise zogen. An einem anderen Teil des Platzes wurde aus Flaschen ein eng gesteckter Slalom Kurs gesteckt. Da probten Kinder als auch 70-jährige ihr Können. Am größeren Platz fielen mir besonders der 2 Meter grosse Farbige auf, der mit knallgelber Trainingshose und nackten Oberkörper viel Farbe in die Masse der Skater brachte. Auch die ältere Dame, die anscheindend früher Eiskunstläuferin war, fiel durch ihre getanzten Runden auf. Ein Bild, wie es bei uns einfach unvorstellbar ist, diese Mischung verschiedenster Altergruppen, sozialen Schichten und Rassen gemeinsam auf einem Platz Runden ziehend.

Was auch gerade in war, war das designen von Fahrrädern. Ich sah des öfteren mit viel Liebe und Ideen verschönerte Fahrräder die mit Hupen, Windabweisern, Spiegel, mit Stoff verkleideten Radios, Windrädern und anderen optisch effektvollen Dingen verschönerte Fahrräder. Dies schien jedoch eher ein Hobby ärmerer farbiger New Yorker zu sein. Es war auf jedenfall ideenreicher als die die Autos unserer Jugendlichen die ihr Auto tunen.

Ein Stückchen weiter war eine regelrechte Open-Air Disco aufgebaut, umgeben von einer ovalen Gebiet, auf dem die Inline-Skater zur Musik rollenderweise tanzten. Inzwischen war der 2-Meter gelb-braune Skater hierher gewechselt und schwang sein rollendes Tanzbein.

Neben einer anderen Straße hatten einige Jazz Musiker ihre Instrumente (auch Bass und Schlagzeug) aufgebaut und spielten als wäre das die normalste Spielstätte der Welt.

Am Dienstag kamen Susi und Sabine an. Da ich mich vorsorglich schon in der Stadt eingelebt hatte, konnte ich besonders gut mit meinen New York Kenntnissen brillieren. Ich wurde schliesslich in der U-Bahn einmal nach dem Weg gefragt und konnte auch die korrekte Auskunft geben. Von da an fühlte ich mich als echter New Yorker.

Aber nun zur Ankunft der Mädels. Sie sollte am Flughafen Newark ankommen, also fuhr ich mit dem Bus von der Port Authority Bus Station nach Newark. Wobei ich trotz sorgsamen Suchens bei der Port Authority Bus Station kein einziges Schiff sah, geschweige dann einen ganzen Hafen.

Im Gegensatz zu mir, der bessere Hotels gewohnt war, fanden die beiden Mädels ihre Unterkunft durchaus brauchbar, und sie sind eh nicht oft da, und solange es da keine Kakerlaken gibt. Ich meinte daraufhin, dass Kakerlaken diesem Hotel wohl nicht fremdseien, da doch überall Kakerlaken-Giftfallen herumliegen würden. Jetzt waren sie etwas verunsichert.

Wir waren dann noch etwas in der Stadt unterwegs und wir waren alle von dieser Atmosphäre die uns umgab total begeistert. Ich genoss diese Stadt, besonders am Abend, hier waren immer Menschen auf der Strasse und man konnte sich einfach nicht sattsehen. Wir waren natürlich am Times Square und ich konnte dort aufgrund meiner Ortskenntnisse bereits ein gutes Lokal zum Essen empfehlen.

Am nächsten Tag stand der Central Park auf dem Programm. Diesmal wollten die Mädels mit der U-Bahn bis in die zweiundsiebzigste Strasse fahren und dann in den Park gehen. Sie waren eben nicht so sportlich wie ich, der ich ja am Sonntag zu Fuß den Park durchwanderte. So taten wir und schlenderten herum, stiessen auf den John Lennon Gedenkstein in Strawberry Fields bis ich einen grossen Sattelzug entdeckte der auf einer Strasse im Park parkte. Mit geschulten Kennerauge blickte ich durch eine geöffnete Tür hinein und sah eine Menge Kleidung drinnen hängen. Fachkundig bemerkte ich, dass hier wohl in der Nähe ein Film gedreht werden musste, und so machten wir uns auf die Suche.

Nach einer kurzen Zeit fanden wir dann bereits den Drehort. Es war ein kleiner Hügel im Park, die Wiese bedeckt vom Herbstlaub und zwei Schauspieler spazierten über diese. Naja, wird wohl irgend ein kleiner uninteressanter Film mit kleinen uninteressanten Schauspieler sein. Ich beschloss, trotzdem Videoaufnahmen davon zu machen und so richtete ich die Kamera auf das Pärchen und zoomte sie heran. Sie drehten mir den Rücken zu und ich sagte zu den Mädels: ``Hey, der eine sieht von hinten fast so aus wie der Richard Gere. Ah, jetzt dreht er sich um, ich zoome noch mal näher ran. ``Hey, Mädels kommt mal her, der schaut von vorne auch aus wie Richard Gere...``. Sabine kam heran, sah auf den Monitor und sagte: ,,Das ist er sicher nicht, geh nochmal näher ran...ja, er ist es`8.1.

Der gute alte Richard (wieso fliegen die Frauen eigentlich auf ihn und nicht auf mich obwohl ich doch jünger bin?) drehte dort mit Winona Ryder den Film Autumn in New York bei uns hiess er Es begann im September.

Zum Schreien war auch die folgende Aktion von Sabine und Susi: Wir sahen einen frei herumlaufenden Hund, der sich anscheinend immer mehr von seinem Herrchen entfernte. Das Herrchen ging unbekümmert weiter, während der Hund weiter im Park herumlief. Wir sahen das, und die Mädchen befürchteten schon, dass der Hund sein Herrchen nicht mehr findet. Also nahmen sie den Hund bei seiner Leine, die er hinten nachzog, und liefen damit dem entschwindenden Herrchen nach, während sie ihn zuriefen, dass er seinen Hund vergessen hatte. Aber aus einer anderen Ecke hörte man einen Mann schreien, sinngemäss etwa: ,,Hey, lasst meinen Hund in los, ihr stehlt meinen Hund`, man kann sich vorstellen wie peinlich uns das war, wir waren Hundekidnapper! Gott sei dank mussten wir nicht ins Gefängnis, da der Mann uns glaubte.

Sabines Ausspruch als wir eines Abends in China Town waren: ,,Die sehen uns alle so komisch an, wahrscheinlich weil wir keine Chinesen sind`.


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Fritz Ganter
2001-06-10